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EPS startet in Baden-Württemberg

Stuttgart, 16. April 2008 – Ethylen-Pipeline eröffnet neue Chancen für den Energie- und Chemie-Standort

  • Flexible und standortnahe Versorgung der Schlüsselindustrien
  • Stärkung der industriellen Basis
  • Umweltfreundliche Umsetzung und Förderung des Klimaschutzes


Baden-Württemberg rückt als Energie- und Chemiestan dort in den europäischen Fokus. Im Sommer startet der Bau der Ethylen-Pipeline Süd (EPS) im Südwesten. „Baden-Württemberg erhält Anschluss an das europäische Ethylen-Pipeline-Netz. Das eröffnet neue Chancen für das Land im globalen Wettbewerb“, betont Dipl.-Ing. Hans-Detlef Dreeskornfeld, Geschäftsführer der EPS Ethylen-Pipeline-Süd GmbH & Co. KG (München), vor der Presse in Stuttgart. Die Rohrleitung mit 360 Kilometern Länge verbindet Erzeuger und Verarbeiter von Ethylen in ganz Süddeutschland. „Ethylen ist ein immens wichtiger Grundstoff für alle Schlüsselindustrien, von A wie Agrar bis Z wie Zulieferer für die Automobilhersteller. Die Anbindung Baden-Württembergs an den europäischen Chemie-Verbund stärkt die Wertschöpfung und beflügelt damit Wachstum und Arbeitsplätze“, ergänzt Dr.-Ing. Werner Döhler, ebenfalls Geschäftsführer von EPS. „Das Projekt trägt auch dazu bei, die Klimaschutzziele nachhaltig zu unterstützen. Beim Pipelinetransport fallen nur 8 Gramm CO2 je Tonne und Kilometer an gegenüber rund 150 Gramm beim Lkw.“

Ethylen ist Grundstoff für eine Vielzahl von Produkten des modernen Lebens. Die daraus gefertigten Komponenten, Teile, Module und Fertigprodukte finden in allen Wirtschaftszweigen Verwendung: von der Landwirtschaft über die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Bau-, Konsumgüter- und Textilindustrie bis hin zur Elektrobranche. Dreeskornfeld: „Die Ethylen-Pipeline Süd ist ein strategisch wichtiges Projekt, die Wettbewerbsnachteile der petrochemischen Industrie Europas im Vergleich zu den USA, dem Mittleren Osten oder Asien auszugleichen und die Konkurrenzfähigkeit auf dem globalen Markt zu erhöhen. Der Ethylen-Markt ist eng an die Nachfrage nach Kunststoff gekoppelt, die wiederum vom Wachstum des Bruttoinlandsprodukts abhängt. Für die nächsten Jahre wird in Westeuropa eine Zunahme um 2 % und für Mittel- und Osteuropa von 5,5 % erwartet.“

Die Rohrleitung wird von Münchsmünster in Bayern über Baden-Württemberg mit Anschluss des Chemiestandorts Karlsruhe nach Ludwigshafen in die Metropolregion Rhein-Neckar verlegt. Auf Baden-Württemberg entfallen knapp 190 Kilometer. „Die Pipeline bleibt keinem geschlossenen Benutzerkreis vorbehalten. Damit können alle Produzenten, Abnehmer und künftige Interessenten von Ethylen die Leitung zu gleichen Bedingungen in Anspruch nehmen.“, so Dreeskornfeld. „In Bayern und Rheinland-Pfalz laufen die Arbeiten auf vollen Touren. Der Düker für die Flussquerung des Rheins ist fertig gestellt, der Donaudüker ist in Arbeit. Für die Trassenführung in Baden-Württemberg legen wir jetzt Rohrlager an.“ ergänzt Dr. Döhler.

Bauherr und Betreiber ist die EPS Ethylen-Pipeline-Süd GmbH & Co. KG. Ihre sieben Gesellschafter sind hochrangige nationale und internationale Chemieunternehmen: Basell Polyolefine GmbH, BASF SE, Borealis Polymere GmbH, Clariant Produkte (Deutschland) GmbH, OMV Deutschland GmbH, Vinnolit GmbH & Co. KG und Wacker Chemie AG. „Baden-Württemberg und seine Chemieindustrie erhalten Anschluss an das transeuropäische Pipeline-Netz, über die Metropolregion Rhein-Neckar und das Chemiecluster Karlsruhe bis hin nach Rotterdam im Nordwesten und Bayern im Südosten. Darüber hinaus eröffnet die EPS weitere Perspektiven, wie beispielsweise den Ausbau des europäischen Netzes über Österreich in den Osten sowie in Richtung Frankreich“, so EPS-Geschäftsführer Dreeskornfeld.

Das Paradebeispiel für den Nutzen Baden-Württembergs ist die MiRO-Raffinerie in Karlsruhe. Sie ist Deutschlands größte Raffinerie und erzielt mit ca. 1.000 eigenen Mitarbeitern und weiteren 300 – 400 Partnerfirmenmitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 4,3 Mrd. Euro. Dr. Döhler: „Mit EPS eröffnet sich MiRO die Chance, durch die Herstellung und Einspeisung von hochreinem Ethylen neue Kundengruppen und Folgeindustrien als Abnehmer zu erschließen. Nach Investition in eine Reinigungsanlage kann MiRO künftig hochwertiges Ethylen erzeugen und vermarkten. Die signifikant höhere Veredelung stärkt die Marktposition und wertet den heimischen Energie- und Chemiestandort auf. Für die weitere Zukunft eröffnet sich für den Großraum Karlsruhe-Mannheim-Ludwigshafen die Option, einen ‚World-Scale Ethylen Cracker’ mit privatwirtschaftlichen Investitionen von 1,5 bis 2 Mrd. Euro anzusiedeln.“

Bei der Trassenführung stehen die Fragen der Sicherheit und des Schutzes von Mensch und Umwelt an erster Stelle. Dr. Werner Döhler: „Eine moderne Infrastruktur ist das Rückgrat jeder prosperierenden Volkswirtschaft. Dazu gehört auch der sichere und günstige Anschluss von Lieferanten und Kunden mittels Pipeline. Rohrleitungen tragen erheblich dazu bei, das Verkehrsaufkommen auf Straßen, Schiene oder Wasserstraßen einzudämmen.“ Ethylen wird aus wirtschaftlichen Gründen und unter Sicherheits- und Umweltaspekten mit Abstand am Besten in Rohrleitungen transportiert. Die Ethylenmenge, die in einem Jahr durch die Leitung strömt, entspricht 40.000 Lkw-Fahrten auf der Straße. „Die Leitung trägt damit zur CO2-Vermeidung bei. Die EPS verläuft unauffällig, ohne den Erholungswert und das Bild der Landschaft zu stören“, so Dr. Döhler.

Beim Erwerb der Wegerechte macht EPS große Fortschritte. Nach anfänglichen Verzögerungen sind auch in Baden-Württemberg die Verhandlungen mit Eigentümern und Körperschaften weit vorangekommen. Dr. Döhler: „Wir sind sehr zuversichtlich, bis zum Sommer noch offene Fragen zu klären und den Betrieb 2009 aufzunehmen. Wir bemühen uns sehr intensiv um flexible und für alle Seiten faire Lösungen auf freiwilliger Basis. Wo notwendig, haben wir die für die Entschädigung vorgesehenen Mittel angepasst. Außerdem haben wir mit Genugtuung registriert, dass wir politische Unterstützung vom Land und von Kommunen erfahren. Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Verantwortlichen, die uns bei unserer Aufgabe unterstützen.“