Nachrichten

EPS Ethylen-Pipeline Süd sichert Industriestandorte in Süddeutschland

München, 7. März 2005 – Sieben führende Unternehmen der Petrochemie und der chemischen Industrie haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam den Bau der EPS Ethylen-Pipeline Süd zu realisieren. Auf einer Pressekonferenz in München stellten der bayerische Staatsminister Otto Wiesheu, Gerhard Roiss, Generaldirektor Stellvertreter OMV Aktiengesellschaft sowie Peter-Alexander Wacker, Sprecher der Geschäftsführung der Wacker-Chemie AG das Projekt vor: Die neue Rohstoffleitung sorgt für eine Anbindung der im Süd-Osten Bayerns gelegenen Ethylen-Erzeuger und -Verarbeiter an den nordwesteuropäischen Ethylenverbund – eine wichtige Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit süddeutscher Industriestandorte. Die EPS soll auf einer Länge von rund 360 Kilometern von Münchsmünster in Bayern durch Baden-Württemberg bis nach Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz verlaufen.

„Die geplante Rohstoffleitung soll wichtiges Teilstück eines gesamteuropäischen Netzwerkes werden. Sie eröffnet den in Bayern ansässigen Unternehmen der Petrochemie und der chemischen Industrie Entwicklungspotenziale und gibt ihnen die Flexibilität und Sicherheit, die sie brauchen, um Standort und Arbeitsplätze zu sichern“, fasste Staatsminister Wiesheu die Bedeutung der Ethylen-Pipeline zusammen. Daher unterstützt die Bayerische Staatsregierung das rund 140 Millionen Euro teuere Projekt mit einem Zuschuss von bis zu fünfzig Prozent. In welcher Höhe sich die Förderung schließlich bewegen wird, hängt von der EU ab, die sich derzeit noch mit der EPS beschäftigt. Bisher befinden sich die im bayerischen Chemiedreieck bei Burghausen und Gendorf angesiedelten Unternehmen ebenso wie die Betriebe in Münchsmünster in einer regionalen Insellage. Die Produktionsstandorte sind zwar durch eine Ethylen-Pipeline miteinander verbunden, haben jedoch keine Möglichkeit, den Rohstoff zu exportieren oder zusätzlichen Bedarf zu decken. Um unter diesen Umständen langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, gibt es Gerhard Roiss zufolge für den Ethylen-Erzeuger OMV am Standort Burghausen nur zwei Möglichkeiten: „Als Unternehmer habe ich die Wahl, entweder in den Ausbau der Ethylen-Kapazität und damit in den Pipelinebau zu investieren oder die Anlage zu schließen.“ Demzufolge sichere die geplante Rohstoffleitung aktuelle Strukturen und Arbeitsplätze.

„Die Anbindung an den bestehenden Ethylenverbund mit der EPS ist also nicht nur im Interesse der beteiligten Unternehmen, sondern auch volkswirtschaftlich und standortpolitisch extrem wichtig“, bestätigte Peter-Alexander Wacker. Langfristig ist die EPS für die Weiterentwicklung der Ethylen erzeugenden und verarbeitenden Industrie – über Süddeutschland hinaus – von entscheidender Bedeutung. „Der Weltmarkt für ethylen-basierte Produkte wächst relativ konstant. Dies erfordert einen kontinuierlichen Ausbau unserer Produktionskapazitäten“, schilderte Wacker die Sicht der Ethylen-Abnehmer. Voraussetzung solcher Investitionen sei allerdings die gesicherte Versorgung mit dem Rohstoff Ethylen.

Mit Einleitung des Raumordnungsverfahrens für den Trassenverlauf der EPS wurde Anfang 2005 der erste wichtige Schritt zur zügigen Durchführung des Bauvorhabens vollzogen. Nach Abstimmung mit den Behörden und den Trägern öffentlicher Belange sowie weiteren Genehmigungsschritten soll mit den Bauarbeiten Anfang 2007 begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2007 geplant. Die Trasse der geplanten 360 Kilometer langen Pipeline nutzt zur Minimierung des Flächenverbrauchs überwiegend den Verlauf bereits bestehender Leitungen. So werden zusammen mit einer schonenden Bauweise Eingriffe in Natur und Landschaft weitgehend vermieden. Wohngebiete, Wasserschutzzonen, Bannwälder und andere besonders schützenswerte, ökologisch sensible Bereiche werden umgangen.

Sicherheit im Fokus

Die Sicherheit für Mensch und Umwelt hat besondere Priorität für die geplante Pipeline. Planung und Bau erfolgen daher nach den höchsten Anforderungen, die Gesetzgeber und Genehmigungsbehörden an Trassenführung und Sicherheit stellen. Die Rohstoffleitung wird zahlreichen Tests und Prüfungen unterzogen und kann erst nach Freigaben durch unabhängige Gutachter wie dem TÜV in Betrieb gehen. Für die Ethylen-Pipeline wird ein in etwa 1,5 Metern Tiefe verlegtes, kunststoffummanteltes, hochfestes und korrosionsbeständiges Stahlrohr mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern verwendet. Zudem sorgen Streckenabsperrstationen in Abständen zwischen 12 und 18 Kilometern und zentrale Messeinrichtungen für die Betriebssicherheit der Rohstoffleitung. Die ständige Überwachung erfolgt durch modernste Technik, regelmäßige Kontrollflüge und Begehungen der Trasse. Nach Beendigung der Bauphase wird der Arbeitsstreifen über der Rohstoffleitung rekultiviert.

Ethylen, ein wichtiger Rohstoff

Ethylen ist ein farbloses, leicht süßlich riechendes Gas, das unter Normalbedingungen leichter ist als Luft. Ethylen ist nicht wassergefährdend. In der Rohstoffleitung läuft das transportierte Ethylen als Fluid, also in einem Zustand zwischen Gas und Flüssigkeit. Hergestellt wird Ethylen in Betrieben der Petrochemie aus Rohbenzin (Naphtha) durch Cracken, also die Spaltung von Kohlenwasserstoff unter hohen Temperaturen. Ethylen ist ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie und Ausgangsstoff zur Erzeugung von zahlreichen Kunststoffen wie Polyethylen, Polyvinylchlorid oder Polyvinylacetat-Polymere. Die daraus entstehenden Produkte sind Teil des Alltags: Getränkeflaschen, Kabelisolierungen, Fensterrahmen, Haushaltswaren, Gerätegehäuse, Waschmittel sowie Rohstoffe für pharmazeutische Präparate sind nur einige Beispiele.